Digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

Was sind digitale Pflegeanwendungen?

Bei digitalen Pflegeanwendungen, kurz DiPA, handelt es sich um kleine Computerprogramme, die pflegebedürftige Menschen und Angehörige bei der Organisation und Bewältigung des pflegerischen Alltags helfen. DiPA gibt es als Apps für mobile Endgeräte oder als Browseranwendung.

Es sollen DiPA für unterschiedliche Einsatzbereiche angeboten werden. Laut dem DVPMG sollen DiPA einen Beitrag dazu leisten, auf der organisatorischen Ebene den pflegerischen Betreuungsalltag zu vereinfachen. Hierzu gehören DiPA, die beispielsweise den Pflegeempfangenden mit seinen sorgenden Angehörigen und sonstigen ehrenamtlich Pflegenden oder ambulanten Pflegediensten vernetzt.

Wichtiger Hinweis: Pflegebedürftige haben einen Anspruch auf solche digitalen Pflegeanwendungen, die im Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen nach § 78a Absatz 3 SGB XI aufgeführt sind, welches durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt wird. Pflegebedürftige Personen stellen hierfür einen Antrag bei der Pflegekasse und diese entscheidet dann darüber, inwieweit die digitale Anwendung eine notwendige Unterstützung in der jeweiligen individuellen pflegerischen Versorgung sein kann. Wird über den Antrag auf eine digitale Pflegeanwendung positiv entschieden, so kann die pflegeempfangende Person mit einer Erstattung von bis zu 50 € monatlich rechnen.

Die Einführung von DiPA in die pflegerische Versorgung ist ein laufender Prozess, bei dem einiges noch offen ist. So sind die wesentlichen Rahmenbedingungen zwar schon festgelegt (siehe weiter unten, Rechtsgrundlage), aber es existiert aktuell noch kein DiPA-Verzeichnis, in dem anerkannte Anwendungen gelistet wären (Stand 6/2022).

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Illustration DiPA

Über solche digitalen Pflegeanwendungen können dann beispielsweise die Begleitung und Unterstützung des pflegebedürftigen Menschen oder dessen Pflegebefähigung verbessert werden. Das Ziel ist, mit der Anwendung einer DiPA die Selbständigkeit des Pflegeempfangenden zu erhalten bzw. zu fördern und dadurch eine Verschlechterung der pflegerischen Situation zu verhindern.

DiPA im Alltag

Um sich den Mehrwert der DiPA im Alltag einer häuslichen Pflegesituation besser vorstellen zu können, möchten wir Ihnen ein kleines fiktives Beispiel-Szenario anhand unserer Persona Jenni Kowalski vorstellen. Bitte beachten Sie dabei, dass es sich aktuell noch um Zukunftsmusik handelt (Stand 6/2022), da es noch keine zugelassenen DiPA gibt.

DiPA im Alltag: Jenni Kowalski, pflegende Angehörige

Die dementiell veränderte Mutter von Jenni zeigt zunehmend Unsicherheit beim Gehen. Für Jenni bedeutet das eine zusätzliche Sorge bei der Betreuung ihrer Mutter. Sie berichtet dem ambulanten Pflegedienst davon, der mehrmals die Woche unterstützend vorbeischaut.  Die Pflegefachkraft Renate berät sie daraufhin im Rahmen des Sturzmanagements zu Möglichkeiten der digitalen Sturzprävention in der Häuslichkeit. Die Entscheidung fällt auf eine mobile App zur Ganganalyse, die das Sturzrisiko ermitteln kann. Da diese App im digitalen Pflegehilfsmittelverzeichnis aufgenommen wurde, unterstützt sie die Pflegefachkraft Renate bei der Pflegekasse einen Antrag zu stellen. Nachdem die Pflegekasse die Sturzrisikoanalyse-App bewilligt hat, konnte Jenni ihrer Mutter die App auf dem Smartphone einrichten. Gemeinsam mit der Pflegefachkraft Renate führen sie die digitale Ganganalyse durch. Anhand der Auswertung hat die Pflegefachkraft Renate einen Überblick über die verschiedenen Sturzrisikofaktoren und kann nun gemeinsam mit beiden zusammen Maßnahmen abstimmen und koordinieren. 

Die Daten der Ganganalyse hat sie beispielsweise in Rücksprache mit Jenni an die zuständige Hausärztin versendet. Diese verordnet daraufhin physiotherapeutische Unterstützung.

Die mit dem Physiotherapeuten vereinbarten Termine werden von Jenni gleich in eine andere digitale Pflegeanwendung eingetragen. Diese weitere DiPA dient der Organisation und Abstimmung des Pflegealltags; alle beteiligten Akteure haben Zugriff. Hier werden nun die Termine eingestellt und Jenni kann eintragen, wann sie Zeit hat ihre Mutter zur Therapie zu begleiten. 

Kostenübernahme DiPA

Grundsätzlich: Versicherte haben einen Anspruch auf Kostenübernahme durch die Pflegekasse gemäß §§ 40a und 40b SGB XI. Mehr zu den Details erfahren Sie unten. Ebenso haben Pflegebedürftige Anspruch auf eine gegebenenfalls erforderliche ergänzende Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst bei der Anwendung von DiPA (gemäß § 39a SGB XI). Für sozialhilfeberechtigte Pflegebedürftige ergibt sich der Anspruch aus §§ 64k und 64j SGB XII.

Die bewilligte Digitale Pflegeanwendung UND die ggf. erforderliche ergänzende Unterstützung bei der Anwendung wird für pflegebedürftige Personen mit bis zu 50 € im Monat bezuschusst gemäß § 40b SGBI XI.

Für diese Kostenübernahme müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die entsprechende DiPA muss vom BfARM anerkennt sein und im DiPA-Verzeichnis nach § 78 Abs. 3 SGB XI gelistet sein.
  2. Der DiPA-Antrag muss durch die Pflegekasse bewilligt werden –> diese  prüft die Notwendigkeit der Versorgung mit der DiPA im Einzelfall.
  3. Die Mehrkosten für DiPA müssen selbst getragen werden.

Wichtig: Das DiPA-Verzeichnis enthält momentan noch keine digitalen Pflegeanwendungen. Das Verzeichnis wird aufgebaut, sobald die Verordnung in Kraft tritt und DiPA das Anerkennungsverfahren beim BfArM durchlaufen haben.

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Foto Taschenrechner mit Euro Geldscheinen und Münzen

Rechtsgrundlage DiPA

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Die Einführung von digitalen Pflegeanwendungen in die Regelversorgung ist ein laufender Prozess, der noch relativ am Anfang steht. Dieser Vorgang ist noch nicht abgeschlossen, sodass auch in Zukunft mit weiteren Neuerungen zu rechnen ist. Es lohnt sich also, regelmäßig unsere Webseite zu besuchen.

Entscheidend für die Einführung von digitalen Pflegeanwendungen in die Versorgung von Pflegebedürftigen ist das Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG), welches am 8.6.2021 in Kraft getreten ist. Hier finden Sie die wichtigsten Fakten:

Digitale-Versorgung-und-Pflege-Modernisierungs-Gesetz (DVPMG)

  • Am 8.06.2021 in Kraft getreten
  • Wichtige Entwicklung für viele unterschiedliche Digitalisierungs-Bereiche (u.a. Weiterentwicklung der DiGA, Ausbau der Telemedizin, Update für die TI, Einführung digitaler Pflegeanwendungen (DiPA) in die Regelversorgung)
  • Einführung wesentlicher Paragrafen zur Regelung der DiPA, wie § 40a, § 39a, § 40b und § 78 a, in das Sozialgesetzbuch XI sowie der § 64j und § 64k in das Sozialgesetzbuch XII (siehe Ausführungen weiter unten).
  • Erstellung eines Regulariums für das Verfahren der Erstattungsfähigkeit  von DiPA vergleichbar zu den Regelungen der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA).
Zum Gesetzesentwurf des DVPMG

Relevant für die DiPA sind die jeweils gültigen Fassungen der zuvor genannten Paragrafen.

Bitte beachten Sie dabei, dass wir für Sie an dieser Stelle nur die wichtigsten Gesetzesgrundlagen herausgesucht haben, es sich also nicht um eine abschließende Darstellung handelt. 

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§ 40a SGB XI Digitale Pflegeanwendungen

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Zusammenfassung

§ 40a SGB XI Digitale Pflegeanwendungen

Dieser Paragraf enthält die Definition davon, was eine DiPA im rechtlichen Sinne ist. Ebenso wird hier der Anspruch der Pflegebedürftigen auf die Versorgung mit DiPA geregelt. Zudem ist der Zugang zur Nutzung der DiPA durch die Hersteller verpflichtend barrierefrei zu gestalten.

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§ 39a SGB XI Ergänzende Unterstützung bei Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen

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Zusammenfassung

§ 39a SGB XI Ergänzende Unterstützung bei Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen

Mit diesem Paragrafen wird Pflegebedürftigen ein Anspruch darauf eingeräumt, sich bei der Nutzung von DiPA durch einen ambulanten Pflegedienst unterstützen zu lassen - sofern dies im Einzelfall durch das BfArM als erforderlich festgestellt wurde.

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§ 40b SGB XI Leistungsanspruch beim Einsatz digitaler Pflegeanwendungen

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Zusammenfassung

§ 40b SGB XI Leistungsanspruch beim Einsatz digitaler Pflegeanwendungen

Mit dieser Regelung wird festgelegt, dass, sofern die Pflegekasse die Versorgung mit einer digitalen Pflegeanwendung bewilligt, die pflegebedürftige Person Anspruch auf die Erstattung von Aufwendungen für digitale Pflegeanwendungen sowie auf Leistungen für die Inanspruchnahme von ergänzenden Unterstützungsleistungen ambulanter Pflegedienste bis zur Höhe von 50 € im Monat hat .

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§ 78a SGB XI Verträge über digitale Pflegeanwendungen und Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen, Verordnungsermächtigung

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Zusammenfassung

§ 78a SGB XI Verträge über digitale Pflegeanwendungen und Verzeichnis für digitale Pflegeanwendungen, Verordnungsermächtigung

In diesem Paragrafen sind wesentliche Rahmenbedingungen festgehalten, die für die Hersteller von DiPA von Relevanz sind. Insbesondere wird das Verfahren beschrieben, über welches sie ihre DiPA ins DiPA-Verzeichnis des BfArM aufnehmen lassen können.

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§ 64j SGB XII Digitale Pflegeanwendungen

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Zusammenfassung

§ 64j Digitale Pflegeanwendungen

In diesem Paragrafen wird erklärt, was unter digitalen Pflegeanwendungen zu verstehen ist, nämlich im Wesentlichen digitale Technologien und im Weiteren, wozu sie eingesetzt werden sollen. Ziel der Nutzung digitaler Anwendungen ist es, eine Verschlechterung in der Pflegebedürftigkeit zu verhindern und vielmehr die Selbständigkeit und Gesunderhaltung pflegebedürftiger Menschen zu fördern.

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§ 64k SGB XII Ergänzende Unterstützung bei Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen

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Zusammenfassung

§ 64k Ergänzende Unterstützung bei Nutzung von digitalen Pflegeanwendungen

In diesem Paragrafen ist der Rechtsanspruch pflegebedürftiger Menschen auf eine ergänzende Unterstützungsleistung beim Einsatz von DiPA durch zugelassene ambulante Pflegedienste begründet.