Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Berlinerinnen und Berliner,

wir haben die Initiative „Pflege 4.0 – Made in Berlin“ auf den Weg gebracht. Unser Ziel ist es, digitale und technische Innovationen in der Pflege zu unterstützen, sodass eine Entlastung für die Pflegekräfte und die Angehörigen, aber auch ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden, möglich ist. Wir bringen technischen Fortschritt und die Bedürfnisse in der Pflege zusammen. Innovationen müssen den Menschen dienen. Deshalb freue ich mich außerordentlich, dass das Kompetenzzentrum „Pflege 4.0“ Fahrt aufgenommen hat und diese Website nun allen Interessierten als zentrale Informationsplattform zu digitalen Lösungen für die Pflege zur Verfügung steht.

Grundlegend dafür, dass das Kompetenzzentrum seine Arbeit beginnen konnte, war ein intensiver Austausch mit Akteurinnen und Akteuren aus der Pflege. Im Jahr 2018 habe ich die Initiative ins Leben gerufen, weil es mir ein großes Anliegen ist, dass die Pflege mit dem digitalen Wandel Schritt halten kann. Es zeigt sich – insbesondere von dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft und des zunehmenden Pflegenotstands – dass digitale Lösungen in diesem Bereich großes Potenzial haben. Sinnvoll eingesetzt, können digitale Systeme dabei unterstützen, zu einer guten und bedarfsgerechten pflegerischen Versorgung beizutragen. Sie können so einen längeren Verbleib in der Häuslichkeit ermöglichen und Arbeitsprozesse effizienter gestalten.

Zum Beispiel kommen elektronische Systeme zur Dokumentation und Planung zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, den Dokumentationsaufwand für das Personal zu verringern und mehr Zeit für das zu schaffen, was ein wesentlicher Bestandteil der Pflege ist: die Beziehung zwischen Pflegenden und pflegebedürftigen Menschen. Auch körperlich belastende Tätigkeiten können durch den Einsatz von technischer Unterstützung erleichtert werden, damit Pflegekräfte ihren Beruf unter guten Bedingungen lange ausüben können. Darüber hinaus können auch digitale Lösungen wie Sturz- und Notfallerkennungssysteme sowie Ortungs- und Orientierungssysteme zur Entlastung beitragen.

Es hat sich gezeigt, dass es vor dem Hintergrund der schnelllebigen und vielfältigen Technikentwicklung einen großen Bedarf gibt, Wissen zu digitalen Lösungen und Angeboten nutzerfreundlich aufzubereiten und in die Breite zu transportieren. Wichtig ist auch, (potenziellen) Nutzern und Nutzerinnen zu ermöglichen, unterschiedliche Technik einfach ausprobieren zu können. So können sie eine sinnvolle Auswahl treffen, die an ihre individuelle Lebenssituation angepasst ist. Durch das Erleben von Technik können Neugierde und Vertrauen geweckt und die Entscheidung für den Einsatz technischer Innovationen erleichtert werden.

Besonders wichtig ist es mir, nicht nur einzelne Maßnahmen in den Blick zu nehmen. Es muss vielmehr darum gehen, grundlegende Strukturen zu etablieren, die einen nachhaltigen Mehrwert haben. Genau da setzt das Kompetenzzentrum „Pflege 4.0“ an: zwei kompetente Partner bringen hier pflegerische Expertise aus der beruflichen Praxis und der Lebenswelt pflegebedürftiger Menschen mit wissenschaftlichem und technischem Know-How zusammen.

In den Aufbau des Kompetenzzentrums ist viel Arbeit geflossen: Ich blicke hier auf einen arbeitsintensiven und äußerst konstruktiven Austausch mit dem die Initiative begleitenden Fachgremium „Pflege 4.0“ zurück. Von Anfang an war es mir ein großes Anliegen, alle relevanten Akteure und Akteurinnen zu beteiligen und zu vernetzen. Die sehr unterschiedlichen Perspektiven sind wichtig. Maßnahmen können nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn möglichst viele dafür sind und Verantwortung übernehmen.

Ich freue mich nun ganz besonders, dass es uns gelungen ist, ganz konkrete Maßnahmen zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Neben dem Kompetenzzentrum gehört dazu auch die „Zusatzqualifizierung Pflege 4.0“, die sich an beruflich Pflegende sowie Beratende wendet und es ermöglichen soll, Kompetenzen für den digitalen Wandel im Arbeitsalltag zu entwickeln. Wir werden die Qualifizierungsmaßnahme 2020 erproben und 2021 den genannten Zielgruppen in Berlin zur Verfügung stellen.

Doch Berlin treibt nicht nur die digitalen Lösungen im eigenen Land voran. Im Mai dieses Jahres wurde eine von uns eingebrachte Bundesratsinitiative mehrheitlich im Bundesrat verabschiedet, in der wir den Bund auffordern, Grundlagen für die Finanzierung digitaler altersgerechter Assistenzsysteme zu schaffen – und zwar unabhängig von Einkommen und Versicherung der Pflegebedürftigen. Hier gibt es aktuell noch einen großen Nachholbedarf, damit sinnvolle digitale Anwendungen den Menschen zugutekommen, ohne dabei soziale Ungleichheit weiter zu verstärken.

Besonders in Berlin spielt die Digitalisierung eine herausragende Rolle. Ich erlebe hier in der Hauptstadtregion ein innovatives und kreatives Umfeld, sei es in Unternehmen, Start-Ups oder der Wissenschaft. Vor dem aktuellen Hintergrund und den Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf das gesamte gesellschaftliche Leben zeigt sich noch einmal deutlich der große Mehrwert der Digitalisierung für Kommunikation, Zusammenarbeit und soziale Teilhabe. Das Kompetenzzentrum ist für mich das Herzstück der Initiative „Pflege 4.0 – Made in Berlin“. Wir können so nachhaltig Strukturen verändern und sind fit für die Pflege in Zukunft.

Ich wünsche allen Beteiligten dabei gutes Gelingen!

Ihre

Unterschrift Dilek-Kalayci

Dilek Kalayci
Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung

Dilek-Kalayci